Konkordiastraße 66
Das Haus in der Konkordiastraße 66, damals noch Concordiastraße, wurde 1910 von Josef Houben gebaut. Ob es sich dabei um den auf dem Nordfriedhof beigesetzten Architekten Josef Houben (*1854 †1917) handelt ist wahrscheinlich, wird aber noch verifiziert.
Seit den 1926 Jahren gehörte das Haus David Mosheim. Am 16. Juli 1042 wurden sie nach Thersienstadt deportiert. Gemäß Verfügung des Regierungspräsidenten vom 20. Juli 1942 wurde das Haus "zu Gunstern des Deutschen Reichs eingezogen", d. h. die Mosheims wurden enteignet. David Mosheim wurde wahrscheinlich in Auschwitz ermordet, Doris Mosheim in Treblinka.
Das "Ghettohaus"
Nach Recherchen der Hochschule Düsseldorf war die Konkordiastraße 66 ein sogenanntes "Ghettohaus". Neben Doris und David Mosheim lebten hier weitere 14 Menschen bis zu Ihrer Deportation, s. Lebenläufe.
Nach dem Krieg
Nach einem aufwendigen Wiedergutmachungsverfahren ging nach Beschluss des Landgerichts Düsseldorf 1950 der Besitz der Konkordiastraße 66 an die Erben von Doris und David Mosheim über. Einer der beiden Mosheim Söhne konnte 1939 nach Großbritannien flüchten und somit das Erbe antreten.
Gedenken an die Verfolgten und Ermordeten
Seit 2022 haben Bewohnerinnen und Bewohner der Konkordiastraße 66 begonnen, sich aktiv mit der Geschichte des Hauses auseinanderzusetzen. Fündig geworden sind sie u. a. im interaktiven Gedenkbuch der Stadt Düsseldorf (Zum Geleit – Gedenkbuch), bei der Hochschule Düsseldorf, die den Erinnerungsort Alter Schlachthof beherbergt, und dem Stadtarchiv Düsseldorf.
Am 20. November 2023 beantragte die Eigentümergemeinschaft bei der Mahn- und Gedenkstätte die Patenschaft für Stolpersteine für Doris und David Mosheim. Dadurch wurde das Haus Teil des internationalen Gedenkprojekts des Künstlers Gunter Demnig. Bislang liegen 116.000 STOLPERSTEINE in über 1.860 Kommunen in 31 europäischen Ländern, die meisten davon in Deutschland. In Düsseldorf gibt es aktuell 372 Stolpersteine.
Karen berichtet wie es anfing:
"Als ich 2022 in der Tageszeitung über das Projekt 'Gedenkbuch' der Mahn- und Gedenkstätte Düsseldorf gelesen hatte, habe ich auf der entsprechenden Website in die Suchmaske unsere Adresse 'Konkordiastraße 66' eingegeben. Das Ergebnis war ein Schock! Ehemalige Bewohnerinnen und Bewohner unseres Hauses sind ermordet worden! Ich habe unsere Nachbarn darüber informiert und eine kleine Zusammenfassung erstellt. Susanne hat mit der Mahn- und Gedenkstätte Kontakt aufgenommen, in Archiven recherchiert und so können nun die Stolpersteine für Doris und David Mosheim verlegt werden. Swantje unterstützte uns, denn sie hatte in Berlin eine Anregung bekommen, wie unsere Hausgemeinschaft den ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnern gedenken kann."
Quellen:
https://de.findagrave.com/memorial/241310697/josef-houben
Bauplan Concordiastraße: Bauaufsichtsamt der Landeshauptstadt Düsseldorf, Hausakte Konkordiastr. 66, Düsseldorf (Foto: ©Karen Thiel)
Foto des Hauses Konkordiastraße 66: ©Karen Thiel